Haiti findet sich in der Liste der 20 ärmsten Länder dieser Erde. Der tägliche Überlebenskampf prägt den Alltag von ca. 80 % der Bevölkerung.

Die Lebenserwartung der Frauen liegt bei 51, die der Männer bei 48 Jahren!

Leben auf dem Lande

typ Haus im Norden Haitis

typ.Kleinbus: Tap-Tap

Die Wirtschaft ist in einem desolaten Zustand, das Kapital in den Händen weniger. Fast die Hälfte des haitianischen Vermögens ist in der Hand von nur rund einem (!) Prozent der Bevölkerung. Schlechte Infrastruktur mit denkbar schlechten Straßen lassen den Transport von Gütern zu einem ständigen Problem werden. Unzuverlässige Stromversorgung, oft nur wenige Stunden am Tag, lassen jede Produktion industrieller Art in den Anfängen stecken bleiben. Der einzig nennenswerte Devisenertrag kommt durch die Überweisungen der im Ausland (USA oder Dominikan. Republik) lebenden ca.1 Mio. Haitianer an ihre Familien  ins Land.
abgeerntetes Reisfeld / verkarstete Berge

In den 80er Jahren wurden auf Drängen der USA und der Welthandelsorganisation die Importsteuern bei Nahrungsmitteln drastisch gesenkt, wodurch es zu massenhafter Einfuhr von billigem Reis, Geflügel und Schweinefleisch aus den USA kam und die Agrarwirtschaft Haitis nahezu zusammenbrach.        Die Landwirtschaft ist nicht mehr in der Lage, das Volk zu ernähren. 80 % der benötigten Nahrungsmittel müssen importiert werden. Die Entwaldung des Landes – nur noch     2 % (!) der Gesamtfläche des Landes sind bewaldet – hat zur Verkarstung großer Flächen geführt. Erosionen vieler Hanglagen – Haiti ist ein gebirgiges Land -  führen zur weiteren Abnahme landwirtschaftlich nutzbarer Flächen

Durch Wassermangel wird insbesondere der Feldanbau der kleinen Subsistenzbauern beeinträchtigt, die sich keine Bewässerungsanlagen und Brunnen leisten können.

Abwanderung vom Lande ist die Folge; im ständig sich ausweitenden Elendsbezirk von Port-au-Prince finden viele ihren armseligen Platz im städtischen Leben. (Die städtische Bevölkerung beträgt heute 35% der Gesamtbevölkerung.) Die ehemaligen ländlichen Strukturen der Großfamilien, die – anders als bei uns – eher kleinen Gemeinden gleichen, in denen jeder dem anderen helfend zur Seite steht, lösen sich immer mehr auf, durch Elend, Armut, Hunger und die Hoffnung auf ein besseres Leben in der Stadt.

Menschen in Port-au-Prince

Beförderungsmittel in Port-au-Prince

Ein weiteres Problem ist die mangelhafte ärztliche Versorgung, besonders auf dem Lande.

Frauen holen Trinkwasser

Der Mangel an sauberem Trinkwasser und Unterernährung, in den Städten auch Drogen (Haiti ist Umschlagplatz für Drogen aus Kolumbien auf dem Weg in die USA.) und Prostitution/ AIDS  führen zu weiteren Problemen. 

(Der Anteil der HIV-infizierten Erwachsenen beträgt 6,1%.)

Die unzureichende bis fehlende Schulbildung trägt zur Chancenlosigkeit der armen Bevölkerung bei. Schulgeld, Geld für die nötigen Schuluniformen und Bücher, etc. ist bei vielen Familien nicht vorhanden.

Die Analphabetenrate liegt bei 50%.

im Norden Haitis

Das traditionelle Heilwissen, Kenntnisse über Pflanzenheilkunde, droht verloren zu gehen und beraubt vor allem die Landbevölkerung dieser Hilfe bei allgemeinem Mangel an ärztlicher Versorgung. 

Die Ausbildung in handwerklichen Berufen als Alternative zu Landwirtschaft und Industrie liegt sehr im Argen. Mangels Werkzeug, Maschinen und auch Bildung gibt es zu wenige Handwerksbetriebe. 

Die Vodoun-Religion der schwarzen Bevölkerung wird immer mehr von Religionsgemeinschaften/ Sekten (vor allem protestantischen Sekten aus den USA) verdrängt, die mit Hilfe von Kleidung und Nahrung die Armut der Menschen benutzen, sie zu ihrem Glauben zu bekehren. Ihre Schulen dürfen von „bekehrten“ Kindern besucht werden. Die ursprünglichen Gemeindestrukturen, in denen ein Vodoun-Priester als Autorität in Fragen des Glaubens, aber auch als Heilkundiger und Ratgeber, als Helfer von in Not geratenen Mitgliedern eine zentrale Rolle spielt, lösen sich immer mehr auf.

 

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Das große Erdbeben im Januar 2010 hat das Land in seinen Grundfesten erschüttert. Die Hauptstadt ist nahezu zerstört, es gibt über 200.000 Tote, Obdachlose ohne Zahl . Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser, Regierungssitz ... die Zerstörung ist unermesslich, der Aufbau wird Jahrzehnte dauern.

Herz von Haiti e.V.